Agni & Ama - Gut verdaut ist halb gewonnen
30. August 2019
Die alten Schriften des Ayurveda besagen, dass alle Erkrankungen durch den Verdauungstrakt behandelt werden können – denn sie haben hier ihren Ursprung. Kümmert man sich um die Verdauung, packt man also das Übel an der Wurzel. Und auch die Schulmedizin ist inzwischen überzeugt, dass der Darm eine weitaus wichtigere Rolle bei der Gesundheitsvorsorge bzw. Krankheitsentstehung spielt, als bisher angenommen. Zwei sehr wichtige – vielleicht sogar die wichtigsten – ayurvedischen Begriffe in diesem Zusammenhang sind Agni und Ama. Was das ist, lesen Sie hier…

Agni ist das „Verdauungsfeuer“. Ohne ein funktionierendes Agni läuft aus ayurvedischer Sicht gar nichts. Es sollte stets in guter Verfassung gehalten werden, das ist eine der Hauptaufgaben des Ayurveda. Agni sorgt für die Verstoffwechslung der Nahrung. Vergleichbar mit den Enzymen im Verdauungstrakt spaltet es die Nahrung auf und stellt sie dem Körper zur Verfügung. Wie ein echtes Feuer braucht Agni Luft und Platz, um zu arbeiten. Deshalb empfiehlt Ayurveda, nur zu essen, wenn die letzte Mahlzeit bereits verdaut ist. Ein ständig voller Magen-Darm-Trakt verstopft, das Feuer wird erstickt. Außerdem sollte man zu den Mahlzeiten keine Getränke zu sich nehmen, besonders keine eisgekühlten. Die große Cola mit Eiswürfeln zum Burger-Menü ist also eine denkbar schlechte Idee und stellt unser Verdauungssystem vor eine unlösbare Aufgabe.
Agni kann entweder zu schwach (Verstopfung, Appetitlosigkeit), zu stark (Durchfall, Hunger) oder wechselhaft sein. Meist hängt dies mit den Doshas zusammen. Das träge Kapha-Dosha leidet oft unter einem zu schwachen, das feurige Pitta-Dosha unter einem zu scharfen und das wankelmütige Vata-Dosha unter einem wechselhaften Agni. Die Therapie der Wahl, um Agni ins Lot zu bringen, ist also die Behandlung der Doshas. Um Agni über die Ernährung anzuregen, eignen sich Gewürze wie Ingwer, Zimt, Kurkuma, Fenchel, Koriander oder Kreuzkümmel. Zudem gibt es noch eine Reihe ayurvedischer Produkte, die hier hilfreich sein können, wie beispielsweise Triphala.
Egal, welche Störung des Agni vorhanden ist: Die Nährstoffe können in jedem Fall nicht optimal verarbeitet werden. Wenn Agni gestört ist, entsteht Ama. Diesen Begriff kann man grob als „halbverdaute Stoffwechselschlacken“ bezeichnen. Es sind also die Rückstände von schlecht verwerteter Nahrung, die Ama entstehen lassen. Ama kann sich beispielsweise in Gelenken (Rheuma, Arthrose) oder auch geistig manifestieren (Depression, Burn-Out). Wir bemerken Ama im Körper aber auch durch länger anhaltende unspezifische Symptome wie beispielsweise Steifheit, Energieverlust, Müdigkeit, Mundgeruch, schleimigen Stuhlgang oder dicken weißen Zungenbelag.
Ama reduzieren
Wenn sich durch ein schwaches Verdauungsfeuer bereits Ama im Körper gebildet hat, empfiehlt Ayurveda eine ganze Reihe von Maßnahmen. Diese sollten natürlich im Einklang mit den Doshas angewendet werden und sind individuell unterschiedlich. Am besten fragen Sie dazu einen Ayurveda-Therapeuten. So kann ein Fastentag pro Woche günstig sein, um das Verdauungssystem zu entlasten. Kapha- und Pitta-Konstitutionen dürfen gerne auch länger fasten, um das System sozusagen „herunterzufahren“. In der täglichen Ernährung können scharfe Gewürze, Kräuter, grüne Gemüse und Nahrungsmittel mit bitterem Geschmack helfen, Ama zu reduzieren. Nahrungsmittel, die Ama vermehren, sollten vermieden werden (z.B. Milchprodukte, Brot oder Süßigkeiten). Und auch das ayurvedische „Guduchi“ wird empfohlen. Sehr wirkungsvoll gegen Ama ist eine sogenannte „Treppenkur“ mit Pippali, dem langen Pfeffer:
• 2x täglich 1g Pippali-Churna (Pulver des langen Pfeffers)
• Menge täglich um 1g erhöhen, bis 2x5g täglich erreicht sind
• Die Menge von 2x5g täglich für 3 Tage halten, dann schrittweise wieder reduzieren
• Diese Kur sollte insgesamt nicht länger als einen Monat angewendet werden
Pippali hat den Vorteil, dass es selbst Pitta nur wenig erhöht – obwohl es ein scharfes Gewürz ist. Dennoch ist die Treppenkur nur für diejenigen geeignet, die scharfes essen gut vertragen (Vorsicht bei gleichzeitiger Medikamenten-Einnahme: Wechselwirkungen möglich!). Da Ama selbst schwer, dick, klebrig und feucht ist, empfehlen sich keine öligen Massagen, sondern eher trockene wie beispielsweise mit einem Garshan-Handschuh (Rohseide).
Als Heilpraktikerin und medizinische Ayurveda-Spezialistin erstelle ich gerne für Sie einen auf Ihre Konstitution abgestimmten Ernährungs- und Therapieplan. Hier geht's zur Terminvereinbarung.

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