Die Kraft des Atmens

5. November 2021

Eine gute Atmung bringt viel mehr, als nur Entspannung. Sie beeinflusst unsere Verdauung, den Blutdruck und unsere Psyche, hilft uns beim Dehnen und beim Entgiften. Deshalb spielt der Atem in jeder Yogapraxis und vor allem in der Yogatherapie die Hauptrolle. Mehr dazu und Tipps zum richtigen Atmen lesen Sie hier...

Warum ist eine gute Atmung so wichtig?

Wenn wir tief und langsam atmen, stimulieren wir den Vagusnerv. Dieser zieht sich vom Stammhirn bis in den Bauchraum. Als Teil des sogenannten „Parasympathikus“ ist er für unseren Entspannungsmodus verantwortlich, aber auch für die Verdauung. Die Funktion fast aller inneren Organe werden vom Vagusnerv beeinflusst. Somit verhilft uns eine ordentliche Atemqualität nicht nur zu innerer Ruhe, sondern auch zu einer guten Verdauung. Häufig hört man deshalb in Yogakursen ein allgemeines Bauchgluckern während der Entspannungsphasen. 

Auch das Herz-Kreislaufsystem profitiert von einer guten Atmung. Wer regelmäßig die oft hektische und flache Alltags-Atmung verlängert und so entschleunigt, kann dadurch zum Beispiel den Puls und Blutdruck senken. Stress wird reduziert und damit auch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig konnte eine Senkung des Cortisolspiegels durch Meditation um bis zu 50 Prozent nachweisen. Ist die Cortisolkonzentration im Blut dauerhaft erhöht, kann das unter anderem das Risiko für Osteoporose, Magengeschwüre oder Depressionen erhöhen. 

Und noch ein Grund, den Fokus öfter mal auf den Atem zu legen: Beim Ausatmen stoßen wir Kohlendioxid aus. Das wirkt sich günstig auf unseren Säure-Basen-Haushalt aus. Verlängertes Ausatmen ist also eine wirkungsvolle „Detox“-Maßnahme. Insgesamt optimiert richtiges Atmen die Gasaustauschprozesse in der Lunge, was bei Asthmatikern oder Menschen mit Herzschwäche einen großen therapeutischen Nutzen haben kann. Zudem werden Atemmuskeln wie Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln durch eine vertiefte Atmung trainiert.  

Abgesehen von den körperlichen Auswirkungen hat die Atmung auch großen Einfluss auf unsere Psyche. Das kennen wir alle: Sind wir aufgebracht oder weinen, wird die Atmung kurz, schnell und bleibt in der Brust. Wollen wir uns sammeln, atmen wir einmal tief durch. Psyche und Atmung stehen in einer wechselseitigen Beziehung und beeinflussen sich direkt. Der beruhigende Effekt ist unmittelbar zu spüren – jeder, der schon einmal atembasierten Yoga praktiziert hat, kennt ihn. Viele Yogaschüler berichten, dass sie beispielsweise während einer MRT-Untersuchung durch gezielte Atemübungen Panikattacken in der „Röhre“ verhindern konnten. Die Atmung kann also bei seelischem Stress wie eine Art „Anker“ wirken, den wir immer und überall dabei haben. 

Das macht die Yogatherapie gerade bei psychischen Beschwerden so wertvoll. Hier wird häufig auch die Vokalatmung genutzt, um den Atem zu kontrollieren und dem Patienten „eine Stimme zu geben“. So kann das Tönen von Silben oder Mantren beispielsweise Angstgefühle reduzieren. Auch Schmerzen lassen sich bis zu einem gewissen Grad „wegatmen“. Das kennen wir unter anderem aus der Geburtshilfe. 

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Tipp:
Atemübungen im Wald machen! 
Da unsere Wälder große Mengen an Ruß und Staub aus der Atmosphäre filtern, 
enthält Waldluft bis zu 90 Prozent weniger Staubteilchen als Stadtluft. 
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Wie geht gutes Atmen?

Gutes Atmen ist grundsätzlich vollständiges Atmen, denn häufig atmen wir nicht komplett aus. Als optimal für die Sauerstoffversorgung des Körpers hat sich ein Atemverhältnis von 1:2 bewährt (frei Einatmen und doppelt so lang Ausatmen). Die Bauchdecke sollte sich heben und senken dürfen, also mit dem Ein- und Ausatem mitbewegen. Diese Bewegung entsteht ganz automatisch durch die Anhebung und Senkung des Zwerchfells mit der Atmung. Durch das Zwerchfell werden die Bauchorgane leicht zusammendrückt und die Bauchdecke wölbt sich etwas. Achten Sie aber zunächst darauf, dass das Ganze ohne Druck passiert. Zu Beginn bewegt nur der Atem den Bauch, nicht die Bauchmuskeln. 

Im Yoga gibt es eine Vielzahl an Atemübungen, die teilweise sehr leicht zu erlernen sind. Dabei kann die Ausatmung weiter verlängert, manchmal aber auch die Einatmung betont werden - je nach Ausgangslage und Zielsetzung. Am besten üben Sie unter Anleitung eines erfahrenen Yogatherapeuten die Übungen, die für Sie persönlich sinnvoll sind. Gerne berate ich Sie dazu.


Buchtipp zum Thema:

R. Sriram

Das Geheimnis des Atmens - Mit Yoga die eigene Kraftquelle entdecken


In diesem Buch führt uns der renommierte Yogameister R. Sriram, der viele Jahre Schüler des in der Yogaszene berühmten TKV Desikachar war, in die Feinheiten eines guten Atems ein. Wohl kaum ein Yogalehrer unserer Zeit hat sich so intensiv mit dem Thema Atem auseinandergesetzt wie R. Sriram. Wer schon einmal eine Yogastunde bei Sriram mitgemacht hat, weiß wie fein, vielschichtig und genau seine Ansagen zum Thema Atem sind - und welche Wirkung eine solche Praxis haben kann.


Im Buch gibt er ausführliche Anleitungen zu den wichtigsten Atemübungen des Yoga und erklärt, wie sich die vielen Facetten der Atmung auch im Alltag - abseits der Yogamatte - umsetzen lassen. So beschreibt er, was es mit den Rhythmen der Atmung auf sich hat, was genau ein Bandha ist und warum wir unseren Atem überhaupt verlangsamen und schulen sollten. Detailreich erläutert er den Einfluss, den der Atem auf psychischer und körperlicher Ebene auf uns hat.


Fazit:

Dieses Buch ist ein guter Tipp für alle, die ihrer Yogapraxis mehr Tiefe geben möchten. Doch auch für Nicht-Yogis ist es hochinteressant und lesenswert, denn atmen muss schließlich Jede/r. Eine Verbesserung der eigenen Atemqualität ist aktive Gesundheitsvorsorge!


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