Yoga für das Pitta-Dosha

23. Mai 2020

Ayurveda lehrt uns, immer typgerecht und ausgleichend zu äußeren Einflüssen zu Handeln. Das gilt natürlich auch für unsere Yogapraxis. In der dreiteiligen Reihe erfahren Sie mehr darüber, wie ein typgerechter Yoga aussehen könnte. Im ersten Teil geht es um das feurige Pitta-Dosha.

Pitta ist das Prinzip von Feuer, Stoffwechsel und Umbau. Entsprechend sind Pitta-Konstitutionen häufig temperamentvolle Zeitgenossen, die sich gerne fordernd körperlich betätigen. Sie sind athletisch oder zumindest durchschnittlich gebaut, zielstrebig, ehrgeizig und manchmal auch ein bisschen jähzornig. Im Yoga sind es häufig diejenigen, die sportlich Yoga üben möchten – denn „es soll ja auch etwas bringen“. Der geistige Aspekt ist Ihnen meist weniger wichtig, allenfalls wird etwas Pranayama in die Praxis eingebaut. Bei einer zu ruhigen Praxis kommen Pittas schnell Zweifel an der Sinnhaftigkeit – die Zeit könnten sie auch anders nutzen. Dabei wünschen sich Pitta-Menschen eigentlich Gelassenheit, inneren Frieden und Ruhe. Sie bewundern Yogis, die voll in Ihrer Mitte sind. Doch sind sie selbst häufig nicht bereit, den langen Weg dahin zu gehen. Pitta möchte am liebsten eine Abkürzung.

Besonders bei Pitta-Störungen, wenn das Dosha also nicht nur die Konstitution dominiert sondern sich auf ganzheitlicher Ebene im Übermaß angesammelt hat, wird die Yogapraxis schnell zum Wettbewerb. Möglichst schweißtreibend, möglichst sportlich, möglichst akrobatisch und möglichst „fortgeschritten“ möchte dieser Mensch üben. Gerne werden Trend-Yoga-Angebote wie Hot- oder Power-Yoga angenommen. 

Was Pitta wirklich braucht
Was eine Pitta-Konstitution tatsächlich braucht, ist das genaue Gegenteil. Statt Hitze benötigt dieser Mensch Kühlung, statt Wettbewerb braucht er Entspannung, statt akrobatische Stellungen einzuüben und an der äußeren Form festzuhalten, sollte er „ins Spüren kommen“. Pitta-Konstitutionen sind sehr rational und haben einen scharfen Verstand. Es geht für diesen Typ also besonders darum, vom Kopf in den Körper zu kommen, vom Denken ins Fühlen. 

Abschied vom Sport-Yoga
Wenn also eine Pitta-Person doshagerecht üben möchte, sollte er oder sie sich optimalerweise ein wenig von der Idee des „Sport-Yoga“ lösen. Yoga für Pitta sollte das Feuer kühlen, den Geist beruhigen und den Perfektionismus durch Gelassenheit ersetzen. Das Verlangen nach auspowernder körperlicher Betätigung sollte Pitta mit anderen Sportarten befriedigen. Aber: Mäßigung sollte auch hier die oberste Devise sein. Sport sollte für Pitta-Typen möglichst nicht in der prallen Sonne stattfinden. So ist zum Beispiel Tennis im Hochsommer eher nicht ideal. Besser wären sportliches Schwimmen oder gemächliches joggen durch den Wald. 

Wie sieht die passende Yogapraxis aus
Wer jetzt eine komplette „Pitta-Yogastunde“ als Blaupause für die eigene Praxis erwartet, der sei daran erinnert, dass Ayurveda immer jeden Menschen individuell betrachtet. Auch bei der Erarbeitung einer individuellen oder gar therapeutischen Yogapraxis schauen wir immer auf jeden Menschen mit seinen körperlichen Voraussetzungen. Aussagen wie „Asana XY ist gut für Pitta“ können gefährlich sein. Denn wenn beispielsweise der Pflug für einen jungen, gesunden Menschen vielleicht wirklich hilfreich sein kann, tut sich eine ältere Person mit Problemen an der Halswirbelsäule sicher dabei weh. Daher seien an dieser Stelle nur die Rahmenbedingungen für eine gelungene Pitta-Yogapraxis genannt. Letztlich kommt es nicht so sehr auf die einzelnen Asana an, sondern auf die innere Einstellung und die damit verbundene Art und Weise, WIE geübt wird:

- Sanft und vor allem mit Freude 
- immer im langsamen Atemrhythmus (besser dynamisch als statisch)
- den vollständigen Ausatem abwarten, nicht ungeduldig werden
- reichlich Pausen zum Nachspüren einbauen
- Kühlende Pranayamas (z.B. Shitali oder Shitkari)
- Meditation mit kühlenden Elementen wie den Mond, eine Rosenblüte oder emotional die „liebende Güte“ (Metta Bhavana)

Gerne erarbeite ich für Sie ein individuelles yogatherapeutisches Programm, das ihrem Dosha und ihren körperlichen Voraussetzungen gerecht wird.

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